Strohbär

Wohl die älteste Figur in Wellendingen ist der Strohbär. Wann er erstmals angefertigt wurde, ist einfach nicht mehr feststellbar. Bekannt ist nur, dass er fast immer dabei war, obwohl sich nur wenige junge Männer bereiterklärten sich einbinden zu lassen. Alljährlich am Fasnetsdienstag erklärt sich ein junger, kräftiger Bursche der Gemeinde bereit, sich in handgemähtes Stroh einbinden zu lassen.

Durchs Dorf getrieben wird der Bär seit je her von 4-5 Treibern, die im schwarzen Domino (sprachgebräuchlich „Kutte“ genannt) den Bär vor sich her treiben und ihm mit Peitschenhieben die Richtung geben. Solche Kutten wurden früher zum Maschkern und zur Straßenfasnet getragen.
Diese sind außer zum Strohbärtreiben fast gänzlich aus der Ortsfasnet verschwunden.

Aus einer älteren Erzählung gab es in Wellendingen einen Mann, der diese Strapazen viele Jahre auf sich nahm, weshalb er auch im Volksmund “Der Bär” genannt wurde. Das beinhaltete auch, dass er das ganze Jahr über mit dem Namen geneckt wurde. Kam man in das Gasthaus, in dem er saß und einer sagte “Bär” zu ihm, war seine Reaktion: “Ein Glas Bier!” So soll er ab und zu auf 10-20 Glas Bier gekommen sein und er ging nicht heim, bevor all diese Spenden verquantet waren.

Dieser Mann soll oft zwei Tage im Strohbär eingebunden gewesen sein und wurde dann abends nicht von seiner Strohlast befreit, sondern voll uniformiert in einen Stroh- oder Heuhaufen in der Scheuer der Gaststätte, in der man sich gerade aufhielt gelegt (geworfen).
Seine Reklamation lautete oft: “Der Bär hätt durscht und wenn er nix zum Saufa griagt, no goht er raus”.

Bekannt ist auch, dass Wellendinger Holzfuhrleute die in einer Gemeinde auf dem Heuberg Holz rückten, sich mitten im Sommer einen Strohbär anfertigten und durch diese Ortschaft getrieben haben. So soll in der Zeit um 1900 der „Strohbär“ am Fasnets-Dienstag in einem Handleiterwagen liegend durch das Dorf transportiert worden sein. Im Gefolge begleitet von Bauern mit Dreschflegeln, Sensen, Rechen, Gabeln usw. Endstation war das ehemalige Gasthaus zur Sonne. Dort wurde der Bär von seiner Last befreit. Das Stroh durfte aber erst nach dem „Betzeit läuten“ verbrannt werden. So endete in Wellendingen früher das fasnächtliche Treiben.
Das Strohbärtreiben war so beliebt bei uns, dass sich sogar Frauen dazu gesellten. Das Binden des „Strohbärs“ dauerte Stunden. Da kein mit dem Mähdrescher gedroschenes Stroh verwendet werden kann, muss dieses jeweils von Hand mit der Sense geschnitten werden. Der „Strohbär“ soll in früheren Zeiten in unserer Gegend vielerorts gebräuchlich gewesen sein.